Teilzeitstudium und flexible Studienstrukturen gewinnen angesichts vielfältiger Bildungsbiografien, familiärer Verpflichtungen und der wachsenden Bedeutung lebenslangen Lernens zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund fand am 18. Juni 2026 im Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart die Tagung „Teilzeit-Studium und flexible Studienstrukturen“ statt. Rund 90 Teilnehmende aus Hochschulen in Baden-Württemberg nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen, erfolgreiche Praxisbeispiele und Zukunftsperspektiven flexibler Studienmodelle auszutauschen.
Die Bedeutung des Themas wächst: Die Studierendenschaft wird vielfältiger, Bildungswege individueller und die Anforderungen an lebenslanges Lernen nehmen zu. Gleichzeitig stehen Hochschulen vor Herausforderungen wie Fachkräftemangel und demografischem Wandel. Flexible Studienformate und Teilzeitstudienangebote gewinnen daher zunehmend an Bedeutung, um Studienerfolg und Chancengerechtigkeit zu fördern.
Die Tagung richtete sich an Akteur:innen aus Hochschulleitungen, Verwaltung, Lehre, Curriculumentwicklung, Hochschuldidaktik und Digitalisierung. Im Mittelpunkt standen bewährte Konzepte, Best-Practice-Beispiele aus Baden-Württemberg und anderen Bundesländern sowie die Frage, wie sich Flexibilität in Studium und Lehre nachhaltig verankern lässt.
Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Elke Bosse vom HIS-Institut für Hochschulentwicklung e. V. mit ihrer Keynote „Flexibilisierung als Leitmotiv der Lehrentwicklung“. Sie zeigte auf, wie unterschiedliche Formen der Flexibilisierung systematisch eingeordnet werden können und welche Voraussetzungen für ihre erfolgreiche Umsetzung erforderlich sind. Anschließend präsentierten Prof. Dr. Stephanie Hanrath und Christine Niksch von der Technischen Hochschule Mittelhessen mit dem Projekt „QuIS Flex in Hessen“ Erfahrungen aus einer landesweiten Initiative, die neue Gestaltungsspielräume für Studierende eröffnet.
In drei parallelen Workshops wurden zentrale Handlungsfelder flexibler Studienstrukturen vertieft. Im Workshop „Zeitliche und örtliche Flexibilisierung“ diskutierte Dr. Imke Buß Möglichkeiten, Studienangebote stärker an unterschiedliche Lebenssituationen von Studierenden anzupassen. Dabei standen insbesondere Ansatzpunkte für mehr zeitliche und räumliche Flexibilität in verschiedenen Studiengängen im Fokus.
Der Workshop „Teilzeitstudium: Modelle, Erkenntnisse und Erfolgsfaktoren“ stellte unterschiedliche Ansätze aus Baden-Württemberg vor. Präsentiert wurden das Konstanzer Modell „Studieren in Teilzeit“ durch Dr. Melanie Seiß und Lara Williams, die „Individuelle Teilzeit“ der Hochschule Albstadt-Sigmaringen durch Christiane Lieb und Benjamin Hesse sowie das Teilzeitstudienangebot der Universität Heidelberg durch Christoph Schlomach und Julia Heyne. Die Diskussion verdeutlichte sowohl die Potenziale als auch die Herausforderungen bei der Umsetzung von Teilzeitstudienangeboten.
Besonderes Interesse galt zudem innovativen Ansätzen für einen flexibleren Studienbeginn und die Gestaltung der Studieneingangsphase. Vorgestellt wurden das Einstiegssemester startING der Hochschule Offenburg durch Manuela Moll, das Flexible Studienmodell im Verbund von Universität Stuttgart und Karlsruher Institut für Technologie durch Andrea Nitsche sowie der gestalterische Vorkurs KATAPULT der Hochschule Pforzheim durch Nadine Hecht und Katharina Wittemann. Die Beispiele zeigten unterschiedliche Wege auf, Studieninteressierte und Studienanfänger:innen beim Übergang ins Studium zu unterstützen und individuelle Bildungswege zu fördern. In den anschließenden Diskussionen wurden Potenziale, Herausforderungen und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung an unterschiedlichen Hochschulstandorten erörtert.
Die Tagung machte deutlich, dass Flexibilität weit über organisatorische Anpassungen hinausgeht. Sie betrifft grundlegende Fragen der Lehrentwicklung, Studienorganisation, Beratung und curricularen Gestaltung. Zugleich wurde sichtbar, dass flexible Studienangebote insbesondere dann wirksam werden, wenn sie strategisch verankert, transparent kommuniziert und durch geeignete Beratungs- und Unterstützungsangebote begleitet werden.
Zum Abschluss wurden die Ergebnisse des Tages zusammengeführt und Perspektiven für die Weiterentwicklung flexibler Studienangebote diskutiert. Die hohe Beteiligung unterstreicht das große Interesse der Hochschulen an diesem Thema. Die Tagung setzte damit wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Teilzeitstudium und flexiblen Studienstrukturen in Baden-Württemberg.
Die Veranstaltungsdokumentation steht Mitarbeitenden staatlicher und staatlich anerkannter Hochschulen in Baden-Württemberg auf der digitalen Plattform bw Campus Community zur Verfügung (https://campuscomm.de/media_center/folder/2335ea25-e008-4694-b33f-82c4157a1a9e; Zugang mit registriertem Account).
Wir laden alle Hochschulangehörigen aus Baden-Württemberg herzlich ein, die dort angestoßenen Diskussionen fortzuführen!
