Demokratiekompetenz im Studium stärken: Hochschulen teilen erfolgreiche Ansätze in Good-Practice-Sharing-Sessions

Wie können Hochschulen Demokratiekompetenz nachhaltig fördern? Welche Formate haben sich bewährt, um Studierende zu demokratischem Denken, verantwortungsbewusstem Handeln und gesellschaftlicher Teilhabe zu befähigen?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Veranstaltungsreihe „Demokratiekompetenz fördern – Good-Practice-Sharing-Sessions“, die EVALAG im Frühjahr 2026 im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg durchführte. In drei digitalen Veranstaltungen stellten Hochschulen aus Baden-Württemberg ihre Projekte, Strategien und Erfahrungen vor und diskutierten diese mit Vertreter:innen anderer Hochschulen. Die Reihe knüpfte an die Tagung „Demokratiekompetenz im Studium stärken: Hochschulen als Wegbereiter für gesellschaftliche Teilhabe“ an und bot Raum für Austausch, Vernetzung und gegenseitiges Lernen.

Projekt „Wehrhafte Demokratie. Demokratische Gesellschaft und totalitäre Herausforderung“ an der Universität Stuttgart

Den Auftakt der Reihe machte am 23. März 2026 Apl. Prof. Dr. Felix Heidenreich von der Universität Stuttgart. Er stellte das Wissenstransferprojekt „Wehrhafte Demokratie. Demokratische Gesellschaft und totalitäre Herausforderung“ vor, das aktuelle Herausforderungen demokratischer Gesellschaften in einem interdisziplinären Forschungs- und Transferansatz untersucht.

Das von der Universität Stuttgart geförderte Projekt wird von Prof. Dr. Wolfram Pyta geleitet und gemeinsam mit Prof. Dr. Torsten Hoffmann und Prof. Dr. Felix Heidenreich durchgeführt. Es beleuchtet das Thema der wehrhaften Demokratie aus geschichts-, literatur- und politikwissenschaftlicher Perspektive. Kern des Projekts sind drei Lehrveranstaltungen, die in einem gemeinsamen interdisziplinären Workshop zusammengeführt werden. Ziel ist es, Studierende für demokratische Werte zu sensibilisieren und den fachübergreifenden Austausch zu fördern.

Darüber hinaus verbindet das Projekt universitäre Forschung mit gesellschaftlichem Dialog. Es richtet sich ausdrücklich auch an interessierte Bürger:innen, Jugendliche sowie politische Entscheidungsträger:innen. Öffentliche Abendveranstaltungen mit Gästen wie Nora Bossong, Philip Manow und Maximilian Steinbeis, Kooperationen mit externen Partnern sowie Podcasts und Social-Media-Formate tragen dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Demokratiebildung hochschulweit verankern: Hochschule Ravensburg-Weingarten

In der zweiten Session zeigten Prof. Dr. Marius Hofmeister und Prof. Dr. Anna-Sophia Schwind von der Hochschule Ravensburg-Weingarten, wie Demokratiebildung systematisch entwickelt und hochschulweit verankert werden kann. Ausgangspunkt ist das Verständnis, dass Hochschulen nicht nur Fach- und Führungskräfte ausbilden, sondern auch zur Entwicklung mündiger Bürger:innen beitragen.

Vorgestellt wurde ein Modell mit fünf Säulen der Demokratiekompetenz: kognitive Demokratiekompetenz, demokratisches Mindset, demokratische Handlungskompetenzen, Urteils- und Medienkompetenz sowie interpersonale Fähigkeiten. Diese können in unterschiedlichen Studiengängen und Lehrformaten gefördert werden.

Ein besonderer Fokus lag auf der Umsetzung in MINT-Fächern. Am Beispiel der Informatik wurde verdeutlicht, wie Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Verantwortung und demokratische Teilhabe in die Lehre integriert werden können. Ergänzend berichtete Prof. Hofmeister über Workshops für Lehrende, öffentliche Vortragsformate sowie hochschulweite Initiativen zur Förderung von Vielfalt und demokratischer Beteiligung, die unter anderem im Rahmen einer Ringvorlesung umgesetzt werden.

Hochschule als Schutzraum für Demokratie und Vielfalt: Hochschule Heilbronn

Die dritte Session widmete sich den Aktivitäten der Hochschule Heilbronn. Maren Haag und Lisa Zimmermann gaben Einblicke in die dortige Demokratieförderung und Antidiskriminierungsarbeit. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Hochschulen Vielfalt, Mitbestimmung und ein respektvolles Miteinander fördern und institutionell verankern können.

Die Referentinnen erläuterten, wie die Hochschule Heilbronn Demokratieförderung mit ihrer Diversity-Strategie verbindet. Ausgangspunkt sind gesellschaftliche Entwicklungen wie ein zunehmendes Misstrauen gegenüber Wissenschaft sowie die Frage, wie Hochschulen ihre Resilienz stärken und Studierende in ihrer Urteils-, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit fördern können. Zu den Zielen gehören die Bewahrung der Wissenschaftsfreiheit, die Stärkung einer resilienten Hochschule und die Förderung demokratischer Teilhabe.

Vorgestellt wurde ein umfassendes Maßnahmenportfolio, darunter die seit 2022 angebotenen Schutzraumschulungen zum Umgang mit Diskriminierung, die inzwischen auch Demokratieförderung und Extremismusprävention einbeziehen. Weitere Beispiele waren hochschulweite Diversity-Befragungen, Diversity Days, Demokratietage sowie Veranstaltungsformate zur Förderung des Dialogs mit der Stadtgesellschaft. Als wesentliche Erfolgsfaktoren wurden die Unterstützung durch die Hochschulleitung, die institutionelle Verankerung des Themas und belastbare Datengrundlagen hervorgehoben.

Gemeinsame Erkenntnisse

Trotz unterschiedlicher institutioneller Rahmenbedingungen machten alle drei Beiträge deutlich, dass Demokratiekompetenz kein Randthema ist, sondern eng mit dem Bildungsauftrag von Hochschulen verbunden ist. Erfolgreiche Demokratieförderung muss sowohl curricular als auch strukturell verankert sein – durch innovative Lehrangebote, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Beteiligungsmöglichkeiten für Studierende sowie eine Hochschulkultur, die Vielfalt, Respekt und kritisches Denken aktiv fördert.

Zugleich wurde deutlich, dass an den Hochschulen bereits vielfältige und kreative Ansätze existieren, von denen andere Einrichtungen profitieren können. Das große Interesse an den Sessions unterstrich den Bedarf an Austauschformaten und zeigte, dass Demokratiebildung zunehmend als gemeinsame Aufgabe der Hochschulen verstanden wird.

Die Veranstaltungsdokumentation steht Mitarbeitenden staatlicher und staatlich anerkannter Hochschulen in Baden-Württemberg auf der digitalen Plattform bw Campus Community zur Verfügung (https://campuscomm.de/media_center/folder/1c64b0ce-1765-425f-977f-ae220f6a5368, Zugang mit registriertem Account).

Wir laden alle Hochschulangehörigen aus Baden-Württemberg herzlich ein, die dort angestoßenen Diskussionen fortzuführen!